Vorstand wieder komplett


 
Das Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien hat einen neuen Vorsitzenden



Die Mitglieder des Instituts für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien e. V. in Nidda haben nach dem Tod von Pfarrer Dr. Wolfgang Stingl Pfarrer Dr. Helmut Gehrmann einstimmig zu ihrem ersten Vorsitzenden gewählt.


Der weitere Vorstand wurde durch Wiederwahl bestätigt. Es sind dies: Prof. Dr. Adolf Hampel (2. Vorsitzender), Astrid Platen (3. Vorsitzende) und Wolfgang Neudörfl  (Schatzmeister).  Nun kann der Verein nach dem Tod von Pfarrer Stingl mit neuer Kraft durchstarten und seine Ziele und Ideen verwirklichen. Diese sind die die Förderung von Wissenschaft und Forschung der Kirchen-, Kultur- und Geistesgeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien.


Der Bericht über die Arbeit des Instituts 2015 durch den wissenschaftlichen Leiter Professor Dr. Rudolf Grulich bestätigte, dass durch die Herausgabe der Publikationen, vor allem der vierteljährlich erscheinenden Mitteilungen Haus Königstein, sowie die immer wieder sehr gelobten Studien- und Wallfahrten, die kirchliche Kultur der Vertriebenen aus dem Osten weiter lebendig gehalten wird. Auch die Tage der offenen Tür erfreuen sich durch die Vorträge und durch den sich anschließenden Gedanken- und Erfahrungsaustausch immer größerer Beliebtheit.


Die in diesem Jahr neu erschienen Bücher wurden wohlwollend aufgenommen. Mit seiner Arbeit Tschechischer nationaler Mythos und Rückwirkung auf das Glaubensleben in den böhmischen Ländern 1848-1948 hat sich der neue Vorsitzende Pfarrer Gehrmann als exzellenter Kenner der böhmischen Geschichte erwiesen. Der erweiterte Nachdruck des von Michael Popović und Ivan Pfeifer herausgegebenen zweisprachigen Tagungsbandes  Der Ackermann aus Böhmen zeigte, wie das Werk des Johannes von Saaz auch heute mit seinen humanistischen Aussagen zum Tod interdisziplinär Wissenschaftler motiviert.


Durch die gute Zusammenarbeit mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft sind auch 2015 drei Kulturbriefe entstanden.

Ausdrücklich wies Professor Grulich darauf hin, dass diese Arbeit nur möglich war durch die Mithilfe der ehrenamtlichen Mitarbeiter und die Unterstützung des großen Freundeskreises.


 

 

 

 

 

Wir trauern um unseren
ersten Vorsitzenden

 

 

Geistlicher Rat
Dr. Wolfgang Stingl †

 

Im Vorjahr gratulierten wir Pfarrer Stingl zu seinem 70. Geburtstag und wünschten ihm langes Wirken für Kirche und Volksgruppe.  

Nun erreichte uns die Nachricht, dass ihn Gott am 11. Dezember 2015 heimgerufen hat. Pfarrer Stingl war als ein 1944 in Eger Geborener bereits ein Angehöriger der Bekenntnisgeneration, aber er wurde als Spätberufener zum wahren „Heimatpriester“, wie unsere Landsleute ihre Priester nannten, die mit ihnen das Schicksal der Vertreibung teilten. Stingl betonte öfters, dass die Vertreiber vergebens auf die biologische Lösung warteten und hofften: Die von ihnen Vertriebenen sterben aus und damit löst sich das Problem!

Pfarrer Stingl zeigte auf, dass das Problem aber nicht so sehr in Rückkehr und Wiedergutmachung liege, sondern in der Aufarbeitung des Unrechts, das damals durch die Vertreibung geschah. Bei der ersten Vertriebenenwallfahrt 1946 im hessischen Dieburg hätte niemand geglaubt, dass auch fast 70 Jahre danach, also im 21. Jahrhundert und im 3. Jahrtausend sich noch Heimatvertriebene bei Wallfahrten versammeln würden.  

Den 70. Jahrestag der ersten Vertriebenenwallfahrt konnte Pfarrer Stingl nicht mehr erleben. 1950 hätte beim Ersten Sudetendeutschen Tag in Kempten auch der kühnste Optimist es nicht für möglich gehalten, dass es Sudetendeutsche Tage 2012 in Nürnberg und 2013, 2014 und 2015 in Augsburg geben werde, an denen Pfarrer Stingl aktiv teilnahm.  

Dass dies möglich ist, verdanken die Heimatvertriebenen, und in Hessen besonders die Sudetendeutschen auch ihrer Treue gegenüber der alten Heimat und ihrer Kirche, vor allem aber auch der Tatsache, dass die Nachgeborenen in ihre Fußstapfen traten. Dies tat auch Pfarrer Dr. Wolfgang Stingl.

Als ihn nach dem Tode von Prälat Dr. Karl Reiß sein Mainzer Bischof zum Diözesanvertriebenenseelsorger ernannte, stellte sich der neue Seelsorger so vor:

Geboren am 4. August 1944 in Eger, getauft in St. Niklas, durch die Vertreibung nach Nidda gekommen und dort aufgewachsen in der oberhessischen Diaspora. Ich habe dann die Mittelschule besucht, habe einen Lehrabschluss bei der Stadtverwaltung hinter mich gebracht, bin anschließend zum Studium (Sozialarbeit) nach Frankfurt und München (Heilpädagogik) gegangen, habe dann noch ein Lehrerstudium absolviert (Sonderschule Lund V) und bin schließlich im Priesterseminar in Mainz gelandet.  

Geweiht wurde ich 1979, als Kaplan kam ich nach Rüsselsheim, Offenbach, Bürstadt und Hausen. Danach kam die Frage, ob ich die Gefängnisseelsorge in Butzbach übernehmen wolle. Da habe ich mehrmals schlucken müssen und schließlich ja gesagt. Mein priesterliches Wirken bestand aus diesen beiden Teilen: Seelsorge im Gefängnis und Seelsorge als Diözesanvertriebenenseelsorger.“

Nach dem Ausscheiden aus der Gefängnisseelsorge kam die Aufgabe eines Seelsorgers für die Gehörlosen dazu. Stingl hat nicht nur die Vertriebenenwallfahrten im Bistum Mainz weitergeführt, sondern sogar verstärkt und vermehrt. Dies ist besonders hervorzuheben, denn in den meisten Diözesen gingen die Wallfahrten zurück oder beschränkten sich auf eine Veranstaltung im Jahr.

Dabei sind die Voraussetzungen im Bistum Mainz eher schlecht: Es gibt keinen großen zentralen Wallfahrtsort wie Altötting, Walldürn, Vierzehnheiligen oder Werl. So ist es umso erstaunlicher, dass im Bistum Mainz von den Vertriebenen so zahlreich zu den kleinen Pilgerstätten wie Dieburg, Maria Einsiedel oder Liebfrauenheide gewallfahrtet wird, nach Dieburg sogar zweimal im Jahr. Auch die Vertriebenenwallfahrten nach Lourdes sind erst durch Pfarrer Stingl ins Leben gerufen worden.

Wie er die verlorene Heimat liebte, zeigt seine Mitgliedschaft im Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien in Königstein, zu dessen Vorsitzenden er 2004 gewählt wurde. Als das Bistum Limburg die Königsteiner Anstalten als „Vaterhaus der Vertriebenen“ buchstäblich liquidierte und „abwickelte“, organisierte Stingl die Übersiedlung des Instituts nach Nidda, wo sich dort unter seiner Leitung das Haus Königstein zu einer „sudetendeutschen Oase in Oberhessen“ entwickelte.

Aber Stingl war nicht nur bewusster Egerländer und Priester der Diözese Mainz: Wie viele Heimatvertriebene liebte er auch seine neue Heimat Nidda, über deren untergegangene Judengemeinde er promovierte und für die er ein Jüdisches Museum gründete. Zur Einweihung war auch Otto von Habsburg gekommen. So passten auch die neuen von ihm ins Leben gerufenen Reihen „Kirche und Heimat“ und „Studien des Hauses Königstein“ in sein Arbeitsfeld und die regelmäßigen Tage der offenen Tür in Nidda, bei denen Themen der alten Heimat behandelt werden. Nicht mehr erleben konnte er die erweiterte Neuauflage des von ihm gemeinsam mit Arnold Spruck erstellten Buches „Wurzeln und Wege“ zur Kirchengeschichte Niddas.

Die Hausner-Stiftung hat seine Tätigkeit 2013 mit der Hausner-Medaille gewürdigt. Dr. Stingl wollte auch dieses Jahr noch Frau Hausner in München treffen, aber Gott, dem er als Priester diente, hat anders entschieden. Die Vertriebenen in Hessen haben mit ihm einen Heimatpriester und Seelsorger verloren und hoffen, dass die Diözese Mainz bald versucht, diesen Verlust für die Gläubigen zu mindern und durch die Ernennung eines Nachfolgers zu zeigen, dass die Vertriebenenseelsorge von der Kirche auch heute ernst genommen wird.   

Freunde und Weggefährten hatten dem Verstorbenen zum 60. und 70. Geburtstag die Festschrift „Kirche und Heimat“ bzw. „Nidda-New York-Eger“ gewidmet, in denen sein Wirken vorgestellt wurde.   

 

Das Requiem für den Verstorbenen ist am Samstag,  

den 19. Dezember 2015 um 10.00 Uhr 

in der Liebfrauenkirche in Nidda, Ludwigstraße 2.  

Danach wird Dr. Stingl auf dem Friedhof in Nidda, Zum Liebholz 6 zur letzten Ruhe gebettet.

  
 Die Mitarbeiter des Hauses Königstein
   

 

Institut für Kirchengeschichte Böhmen-Mähren-Schlesien e.V.
Haus Königstein
Zum Sportfeld 14
63667 Geiß-Nidda
Tel.: +49(0)6043-9885224

 

Konto: Postbank Frankfurt

IBAN: DE51 5001 0060 0269 4446 02

BIC:    PBNKDEFF 

E-Mail: haus-koenigstein.nidda@t-online.de 

 

 

Zum Kontaktformular